Falkenkästen in Marburger Kirchen

Warum braucht der Wanderfalke unsere Hilfe?

Wanderfalke. Foto: Axel Wellinghoff

Im Dezember 2011 haben wir einen Wanderfalkennistkasten im Südturm der Elisabethkirche und im folgenden Winter einen weiteren im Turm der lutherischen Pfarrkirche angebracht. In ihrer kurzen Geschichte haben diese beiden Kästen schon viel erlebt!

Wanderfalken bauen kein eigenes Nest und brüten natürlicherweise an Felsen, teilweise jedoch auch in Nestern, zum Beispiel von Krähen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Vögeln, die sie im Sturzflug -bei dem sie über 300 km/h erreichen können- in der Luft schlagen. In den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts brachen die Populationen der Wanderfalken auf der gesamten Nordhalbkugel drastisch zusammen. Dies ist hauptsächlich auf den großflächigen Einsatz des Insektizides DDT in der Landwitschaft zurückzuführen, das die Nahrungskette durchwandert und sich schliesslich in großen Raubtieren anreichert. Bei vielen Greifvögeln und Eulen hatte dies eine unerwartete und drastische Folge: die Schale ihrer Eier war deutlich dünner weshalb diese nicht erfolgreich ausgebrütet werden konnten. Schliesslich starb der Wanderfalke in einigen europäischen Ländern ganz aus. Nach dem Verbot von DDT Anfang der 70er Jahre und intensivem Schutz der letzten überlebenden Paaren konnten sich die Populationen bis heute wieder gut entwickeln.

Allerdings sind ihre natürlichen Brutplätze an Felsen durch Wander- und Klettersport etc. oft so gestört, dass sie hier nicht mehr brüten können. Deshalb brüten Wanderfalken inzwischen häufig an 'Kunstfelsen' wie Fernsehtürmen, Hochspannungsmasten oder auch Hochhäusern mitten in Großstätten. Eine Hilfestellung in Form von Nistkörben oder -kästen hilft ihnen hier sehr, erfolgreich ihre Jungen großzuziehen.

Aufbau des Kastens in der Elisabethkirche

Am 20.12.2011 haben wir den ersten Kasten im Inneren des Südturmes der Elisabethkirche aufgebaut, mit einem Anflugbrett, das durch eine Fensteröffnung ragt. Da die Wendeltreppen und Leitern im Inneren des Turmes sehr eng sind, musste der Kasten in vielen Einzelteilen, die wir vorher genau vorbereitet hatten, hinaufgetragen werden. Bauteile, Kies und Werkzeug mussten teilweise sogar mit Seilen von Ebene zu Ebene bis auf etwa 60m Höhe gezogen werden. Dies konnte nur durch die Hilfe vieler Freiwilliger geschafft werden! Der Kasten wurde mit Kies befüllt, in den die Greifvögel eine Nestmulde bauen können und mit weißer Farbe bekleckst, um Kotspritzer zu imitieren, was den Kasten für die Vögel attraktiver macht.

Aufbau des Kastens in der Lutherischen Pfarrkirche

Im März 2013 haben wir einen weiteren Kasten im Turm der Lutherischen Pfarrkirche aufgebaut. Dieser ist ein bisschen kleiner und daher eher für einen Turmfalken geeignet, aber auch für einen Wanderfalken sollte er ausreichen. Gleichzeitig haben wir auf einer Ballustrade etwas unterhalb vier Dohlennistkästen aufgestellt. Wir freuen uns sehr über die Offenheit und das Interesse der Gemeinden, Pfarrer und Küster beider Kirchen an unserer Natuschutzarbeit und danken ihnen sehr für die Unterstützung bei den Arbeiten in den beiden Kirchtürmen!

2012: Turmfalke zieht in den Elisabethkirchen-Kasten ein

Turmfalkengelege. Foto: Eberhard Lübbeke

Im Frühjahr und Sommer 2012 konnten wir immer wieder Turmfalken am und um den Kasten in der Elisabethkirche beobachten, eine eindeutige Brut war jedoch nicht nachzuweisen. Im Herbst haben wir dann den Kasten kontrolliert und waren sehr überrascht: Wir fanden zwei Turmfalkeneier und übermäßig viele Turmfalkenfedern vor! Offensichtlich hatte ein Turmfalkenpärchen angefangen in dem Kasten zu brüten, mindestens ein Partner war jedoch dann dort geschlagen worden. Als Räuber kommt eigentlich nur ein Wanderfalke oder ein Uhu in Frage. Trotzdem konnte aber ein anderes Turmfalkenpärchen erfolgreich in einer Turmnische brüten. Im folgenden Winter wurde die Frage des Räubers aber mit ziemlicher Sicherheit geklärt....

2013: Die Geschichte geht weiter: Uhu-Brut in der Elisabethkirche!

Einer der beiden Junguhus auf dem Anflugbrett. Foto: Axel Wellinghoff

Schon im Jahr 2008 ließ sich eine Zeit lang ein Uhupärchen an der Elisabethkirche beobachten und vermutlich hat es auch einen Brutversuch gegeben. Dieser war aber offensichtlich nicht erfolgreich, da nach einiger Zeit keit Tier mehr gesehen oder gehört wurde.

Im Winter 2012/13 wurden dann wieder vermehrt und im Frühjahr auch regelmäßig Uhurufe und auch Sichtungen im Bereich der Elisabethkirche gemeldet. Die Vermutungen und Hoffnungen, dass es in diesem Jahr und eventuell sogar in dem Falkenkasten mit einer erfolgreichen Brut klappen sollte, ließen sich lange nicht bestätigen. Es wurde zwar mehrfach ein fliegender Uhu im Bereich des Kastens gesehen, aber der Kasten und das Anflugbrett selbst sind bei Dunkelheit nicht einzusehen. Erst im Juni kam dann die Gewissheit: in dem Falkenkasten wurden zwei Junguhus ausgebrütet! Da die Jungen mit der Zeit mehr Futter brauchten, mußten die Alttiere schon früher in der Dämmerung auf Nahrungssuche gehen und so ließ sich fast jeden Abend der Abflug eines Altvogels und die Jungen auf dem Anflugbrett beobachten. Was für ein Naturschauspiel mitten im Stadtzentrum!

Da junge Uhus naturgemäß ihr Nest verlassen bevor sie fliegen können um das Klettern und Fliegen zu trainieren, gab es zunächst viele Befürchtungen, ob dies bei der Höhe der Brutstätte und dem starken Verkehr um die Kirche gut geht. Aber die beiden Jungen belehrten uns eines Besseren und flogen Anfang Juli aus. Über mehrere Wochen ließen sie sich toll an verschiedene Stellen auf dem Kirchenschiff und den Türmen beobachten, was an manchen schönen Abenden bis zu 100 begeisterte Naturbeobachter anlockte. Der eine Jungvogel landete aber eines Tages doch auf der Straße. Da er ein bisschen abgemagert war, wurde er in eine Pflegestation gebracht, dort aufgezogen und schließlich erfolgreich ausgewildert. Der zweite Jungvogel wurde weiter von den Eltern auf der Elisabethkirche großgezogen, ließ sich noch eine zeitlang an verschiedensten Orten in der Stadt blicken und verschwand im Herbst vermutlich in den Wald.

 

Weitere tolle Fotos und Eindrücke der Marburger Uhus finden Sie hier:

2014: ? - Wir sind gespannt und werden hier berichten!

Wenn Sie Vögel, egal welcher Art, an einem der Kästen beobachten, teilen Sie uns dies sehr gerne mit. Am besten über:

 

info@nabu-marburg.de

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