Kein Gewerbegebiet in der Lahn Aue

 

Pressemitteilung     

 

Marburg, 22.01.2022                                                                                 

  

Naturschutzbund Deutschland - Marburg e.V.

 

Christian Höfs

Ockershäuser Schulgasse 24

35037 Marburg

info@nabu-marburg.de

www.nabu-marburg.de 

Stellungnahme zu den Absichten der Stadt Marburg die südliche Lahn Aue als Gewerbegebiet auszuweisen

 

Kopfschütteln und völliges Unverständnis bei Naturschützern*innen hat die Absicht des Marburger Oberbürgermeisters hervorgerufen die südliche Lahn Aue im Bereich des „Cappler Feld“ als Gewerbegebiet in den neuen Regionalplan aufzunehmen und damit eine künftige Versiegelung in einem ausgewiesenem Vorranggebiet für den vorbeugenden Hochwasserschutz zu planen.

 

„Nach Auffassung der Stadt Marburg sollte das Gebiet südlich der Südspange in den Regionalplan aufgenommen werden“ (OP19.01.22)

 

Der NABU Marburg fragt, ob es zu dieser Aussage des Oberbürgermeisters irgendeine Legitimation durch ein parlamentarisches Gremium der Stadt Marburg gebe. Es kann doch nicht sein, dass man vor dem Hintergrund der Ereignisse im Ahrtal eine solche Forderung aus einer Stadtverwaltung heraus in den Raum stellt.

 

Unvorstellbar in einer Stadt, die sich in ihren Koalitionsvertrag geschrieben hat:

 

„Zur Anpassung an die zu erwartenden lokalen Folgen des Klimawandels, die Marburg mit abnehmenden Grundwasserressourcen und zunehmenden Starkniederschlägen konfrontieren.

 

Wir werden …

…die noch vorhandenen Hochwasserstauräume sichern und wo möglich neue Retentions- bzw. Überflutungsflächen schaffen (z.B. durch Deichrückverlegung) und die unter wesentlicher Beteiligung der Stadt Marburg im Ohmgebiet angelegten Hochwasserrückhaltungen ausbauen, das Hochwasserrisikomanagement erweitern, potenzielle Fließpfade bei Extremniederschlagsereignissen ermitteln lassen (z.B. durch Starkregengefahrenkarten) und durch intensive Öffentlichkeitsarbeit bekannt machen (z.B. durch Risikokommunikation).“ (aus: Koalitionsvertrag von SPD, GRÜNE, Klimaliste, Marburger Linke)

 

Eine Ausweisung dieses Gebietes widerspricht nach Auffassung des NABU zudem den Projektzielen von „Living Lahn“:

 

„Das Projekt „LiLa Living Lahn“ wird gefördert durch das EU-Umweltförderprogramm LIFE. Es hat am 01.12.2015 begonnen und läuft über einen Zeitraum von 10 Jahren bis zum 30.11.2025. Das Projektbudget beträgt rund 15,7 Mio. Euro, mit einem Förderanteil durch die EU in Höhe von rund 8,5 Mio. Euro…

 

Die im Projekt geplanten Maßnahmen beschäftigen sich v.a. damit, das "gute ökologische Potential" der Lahn wiederherzustellen, wie dies gemäß des Bewirtschaftungsplanes zur Umsetzung der Wasserrahmen-Richtlinie (WRRL) vorgesehen ist. Dabei gilt es, die Belange der Schifffahrt und anderer konkurrierender Nutzungen nach Möglichkeit mit den ökologischen Anforderungen, wie z.B. der Wiederherstellung von naturnahen Ufern, Auenbereiche und der linearen Durchgängigkeit, zu vereinen“ (aus: www. LiLa Living Lahn.de)

 

So wurde erst kürzlich die „Gisselberger Spannweite“, die wenige hundert Meter südlich des diskutierten Gebietes liegt, für 1,8 Millionen Euro renaturiert:

 

„Dieser renaturierte Lahnabschnitt leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und für die Artenvielfalt in unserer Region. Menschen, die dort spazieren gehen, bitten wir, sich umsichtig zu verhalten, um Tiere und Pflanzen nicht zu stören oder gefährden.“ Die Renaturierung der städtischen Flächen entlang der Lahn hat die Stadt Marburg angestoßen, das Regierungspräsidium Gießen willigte ein. Die Kosten von etwa 1,8 Millionen Euro werden aus Mitteln des Landes Hessen und des EU-LIFE-Projektes „Living Lahn – ein Fluss, viele Ansprüche“ finanziert.“ (www.stadt Marburg.de)

 

Fatale Folgen für die Umwelt

Die von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies propagierten Pläne widersprechen nicht nur einer glaubwürdigen Strategie zur Klimaanpassung. Andere Umweltmedien werden von den Plänen auch stark und teilweise unwiederbringlich beeinträchtigt. Zu nennen sind insbesondere

 

  •        die Verdichtung und Versiegelung von wertvollem Auenboden, der selbst ein unterschätzter Klimaschützer ist und für Wasserrückhalt sorgt,

 

  •         stoffliche Belastungen der Lahn während des Baus und des späteren Gewerbebetriebs sowie zusätzliche Licht- und Lärmverschmutzung.

              Lebensräume für Flora und Fauna, die bereits bestehen oder durch Renaturierungsmaßnahmen (bspw. Living Lahn) geschaffen wurden, sowie Naherholungsräume für die ohnehin dicht besiedelte Stadt werden zerstört.

 

Letztlich: Eine Hochwasserschutzmaßnahme wie das Ohm-Rückhaltebecken durch die Schaffung neuer bebauter Problembereiche an der Lahn zu konterkarieren mutet doch mehr als absurd an.

 

Alles in allem fehlt es dem Plan des Oberbürgermeisters an guten und substanziellen Argumenten. Eine derartige Gewerbegebietsausweisung gehört einer altbackenen Politik von gestern an, die die drängendsten Probleme der Zeit offenbar immer noch nicht begriffen hat. Nachhaltigkeit und Enkeltauglichkeit sehen aus NABU Sicht ganz anders aus.

 

In diesem Zusammenhang ist es auch überfällig, nicht mehr zeitgemäße Gewohnheiten zu hinterfragen: So sollte die übliche Flächenverschwendung in Gewerbegebieten endlich ein Ende finden. Die durch die Baubehörden genehmigten eingeschossigen Bauten, insbesondere Einkaufs- und Baumärkte mit ihren ausufernden Parkflächen, bergen enorme Flächeneinsparungspotentiale in sich, worauf der NABU schon mehr als einmal hingewiesen hat. Hier erwarten wir eine zeitnahe Veränderung in den betroffenen Planungs- und Genehmigungsverfahren, um die ohnehin knappen Flächen endlich einer effizienteren Nutzung zuzuführen und vorschnelle Neuausweisungen zu verhindern.

 

NABU-3 Stufen-Plan für den Hochwasserschutz

Der Plan des NABU zum nachhaltigen Hochwasserschutz gliedert sich innerhalb der nächsten 50 Jahre in drei Stufen. In der ersten Stufe soll es vor allem keine Neubebauung in Überschwemmungsgebieten mehr geben, Bachbegradigungen sowie ähnliche Maßnahmen der Abflussbeschleunigung müssen gestoppt werden und es darf zu keinerlei Reduzierung von natürlichen Überflutungsbereichen mehr kommen. In den weiteren Schritten fordert der NABU unter anderem den Rückbau von Deichen, die nicht dem Schutz von Bebauung oder Infrastruktur dienen und die Etablierung von Entwicklungskorridoren entlang der Gewässer in denen eine naturnahe und eigendynamische Gewässerentwicklung Vorrang vor allen anderen Nutzungen hat. Letztendlich brauchen unsere Flüsse wieder genügend Raum mit einer naturnahen Auenlandschaft. Nur so lässt sich Hochwasserschutz langfristig kosteneffizient verwirklichen.

 

Der NABU Marburg wird sich in dem aktuellen Offenlegungsverfahren des neuen Regionalplans Mittelhessen gegenüber dem Regierungspräsidium und der Regionalversammlung entschieden gegen eine Ausweisung im Bereich des „Cappler Feld“ als Gewerbegebiet zur Wehr setzen.

 

 Foto: Hartmut Möller

Ein Trampelpfad verläuft auf dem  „Hochwasserschutzdamm – Reiten ist wegen Beschädigungsgefahr untersagt – Magistrat-Bauamt“

 

Grünes Dreieck-Schild: „Landschaftsschutzgebiet“

 


Koalitionsvertrag des neuen Marburger Regierungsbündnisses:

Hier ist der komplette Koalitionsvertrag zum lesen:

"Eine gute Zukunft für Alle – Unser Weg in die sozialökologische Moderne für Marburg Koalitionsvertrag 2021-2026"

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NABU - Marburg hat neuen Vorstand

Christian Höfs wurde zum neuen 1. Vorsitzenden des NABU-Marburg gewählt

 

Auf der Mitgliederversammlung am 29.Oktober 2021 hat die NABU-Gruppe Marburg einen neuen Vorstand gewählt. Der bisherige Vorsitzende Eberhard Lübbeke hatte sein Amt als  1. Vorsitzender für eine jüngere Generation zur Verfügung gestellt.

Einstimmig wurde als neuer 1. Vorsitzender Christian Höfs gewählt.

 

Weiter wurden einstimmig gewählt:

 

Eberhard Lübbeke (stellvertretender Vorsitzender)

Ulla Stullich-Eichhorn (Kassiererin)

Anne Michaeli (Vertreterin NAJU)

Jürgen Engel, Elisabeth Ferdinand, Hartmut Möller, Dr. Andreas Schrimpf  (Beisitzer)

Marina und Reinhard Naumann (Kassenprüfer)

 

 

 

Stammtisch nach der Jahreshauptversammlung

Bundesweiter Klimastreik 24.September 2021

Fridays for Future Marburg :

Alle Fotos:  Erich Schuhmacher # Informationsdesign + Verlag

Buchtipp: Green Marburg - Grüne Orte ...

 

Überleben ist nur mit der Natur möglich, nicht aber gegen die Natur

 

Neuerscheinung „Green Marburg“ lädt ein zu den grünen Orten der Region

 

Der neue Natur- und Regionalführer „Green Marburg“ des Marburger Autors Erich Schumacher stellt die grüne Region Marburg vor. Eine großartige Einladung an alle, die wunderbare mittelhessische Region um Marburg zu besuchen und kennen­zulernen, denn der reich bebilderte und üppig gestaltete Band führt zu den vielen grünen Orten in Stadt und Region.

 

Schumacher schreibt: „Wir befinden uns an einem elementaren Scheideweg“ und „Ein Weiterleben oder Überleben ist nur mit der Natur möglich, nicht aber gegen die Natur.“ Die neue Publikation trägt dazu bei, denn „mit dem Kennenlernen der vielfältigen Natur in der unmittelbaren und näheren Umgebung des eigenen Wohnortes“ ist dazu zweifellos ein erster und wichtiger Schritt getan.

 

Was gibt es eigentlich in der näheren Umgebung zu entdecken? Erich Schumachers „Green Marburg“ möchte Neugierde wecken. Insgesamt 70 grüne Orte beschreibt er, von den städtischen Parks und Botanischen Gärten, über zahlreiche Orte an der Lahn, Wander- und Lehrpfade, und kleinere Ausflugsziele am Rande von Marburg, bis hin zu den zahlreichen Naturschutzgebieten in der Region, seien es Moorlandschaften, Flussauen, Wacholderweiden, Hutewälder, oder außergewöhnliche Steinformationen in der Region, die immer zu einem tollen Tagesausflug einladen. Auf fast 300 Seiten und mit rund 700 außergewöhnlichen Fotos unterstreicht der Fotograf Schumacher die vehemente Einladung ins Grüne,

zu kleinen und größeren Oasen, bekannte und weniger bekannte Orte, mitten in der Stand, am Rande der Stadt, aber auch in der Region um Marburg.

 

GREEN MARBURG wird herausgegeben von

Schumacher Informations-Design & Verlag, Marburg,

und ist im Buchhandel erhältlich für 27 Euro (ISBN 978-3-9822860-0-6).

 


Schotterflächen: muss das noch sein ?

Im Interesse der Insektenvielfalt sollte Stadt Vorbild sein: so nicht!

NABU Brief an die Bürgermeister der Stadt:

 

Naturschutzbund Deutschland . Gruppe Marburg e.V. (NABU)                                            Gruppe Marburg e.V.

 

Eberhard Lübbeke, Dürerstraße 7, 35039 Marburg

 

 

 

An den Magistrat

der Stadt Marburg

Markt 1

35037 Marburg

 

Förderung der Artenvielfalt !   „Schotterverkehrsinseln“?

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr Thomas Spies,

 

sehr geehrter Herr Bürgermeister Stötzel,

 

 

der Magistrat der Stadt Marburg, hat sich in verschiedenen Gremien und Beiträgen seit  Jahren positiv zum Erhalt und zur Förderung der Artenvielfalt ausgesprochen.

 

So auch im Klima – Aktionsplan 2030.

 

„Klimanotstand … existenzielle Bedrohung für die Artenvielfalt und den Menschen …“

 

Diese Thematik wurde auch unter Mitwirkung der NABU Gruppe z.B. im Naturschutzbeirat der Stadt, mit den Fachbehörden mehrfach erörtert und die Dringlichkeit der Umsetzung  betont.

 

Als Handlungsansatz wurde immer wieder gefordert, dass die bisherigen sehr kleinen Flächen „Weniger ist Mehr“ dringend erweitert werden müssen, auf möglichst alle Städtischen Grünflächen mit Ausnahme der Freizeitflächen und aus Verkehrssicherheitsgründen.

 

Um dem Motto der Stadt gerecht zu werden „Probier mal Marburg“ haben wir seit vielen Jahren angeregt Beerensträucher und Obstbäume an geeigneten Stellen, wie Böschungen, auf Schulhöfen und Kindergärten anzupflanzen.

 

Als Lernerfahrung für unsere Kinder, denn: Beeren und Obst wächst ja nicht in Supermärkten!

 

Bisher leider mit wenig Erfolg.

 

Wir müssen endlich in die Umsetzung der Zielvorgaben kommen !!!

 

Die Städtischen Grünflächen sollten Vorbildcharakter haben und für die biologische Vielfalt auch auf privaten Flächen werben.

Unverständlich ist die neue Gestaltung der Verkehrsinsel in der Schützenstraße auf Höhe des Jägertunnels, s. Foto, Schotterinsel ??? Aus welchen Gründen wurden hier alle gut gemeinten Resolutionen  der Stadt zur Förderung der Biodiversität  ignoriert?

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Eberhard Lübbeke

Vorsitzender NABU Marburg

 

Neue Infotafeln an der Lahn:

 

NABU Marburg: Neue Informationstafeln informieren - Bodenbrüter besonders gefährdet

 

Als im letzten Frühjahr ein Schwan von einem Hund zu Tode gebissen wurden, beschloss der NABU Marburg im Bereich des Lahnbogens zwischen Wehrda und Cölbe Informationstafeln aufzustellen. „Wir wollen damit aufklären, dass es hier besonders viele Vogelarten gibt, die teilweise auch im Bodenbereich brüten, deren Nester leicht zertreten oder durchfreilaufende Hunde aufgespürt und geplündert werden können,“ erklärte Eberhard Lübbeke vom NABU Marburg.

 

Was viele nicht wissen, die Brutzeiten sind von März bis in den September! Daher sollten in diesen Monaten im direkten Uferbereichen der Lahn Hunde angeleint werden, denn jede Störung gefährdet die Brut, insbesondere der Bodenbrüter. Zu den Bodenbrütern zählt übrigens auch der Vogel des Jahres 2021, - das Rotkehlchen. Aber auch in den übrigen Monaten des Jahres sollten im Uferbereich Hunde angeleint werden, denn es handelt sich hier generell um einen sensiblen Lebensraum nicht nur für Vögel, die bei ihrem Durchzug hier rasten.

 

Christian Höfs und Hartmut Möller haben diese Informationen auf attraktiven Informationstafeln gestaltet und darauf beispielhaft drei Vogelarten mit einem Foto und kurzen Texten präsentiert. „Wir wollen informieren und aufklären und damit an die Einsicht von Hundehaltern appellieren,“ erklärte Möller.

 

 

Ulla Eichhorn-Stullich und Hartmut Möller präsentieren eines der NABU Schilder an der Lahn

 

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