Pressemitteilung der Bürgerinitiative WirsindHasenkopf
Marburg, 27. Oktober 2025
BI WirsindHasenkopf lehnt Umlegungsverfahren und Baugebiet
am Hasenkopf entschieden ab
Wir, die Bürgerinitiative Hasenkopf (BI WirsindHasenkopf), sprechen uns mit
Nachdruck gegen das am 25. September 2025 amtlich bekannt gemachte
Umlegungsverfahren für das geplante Baugebiet „Hasenkopf“ in Marburg aus.
Der zugrunde liegende Beschluss wurde bereits am 18. August 2025 vom
Magistrat der Universitätsstadt Marburg gefasst und betrifft Grundstücke im
Geltungsbereich des Bebauungsplans Nr. 5/16 „Hasenkopf“.
Wir stehen solidarisch an der Seite der Flurstückseigentümer in Ockershausen
und des bewirtschaftenden Pächters, die sich gegen dieses Verfahren zur Wehr
setzen. Die BI Hasenkopf unterstützt sie aktiv, insbesondere durch die
Finanzierung der anwaltlichen Vertretung durch eine einschlägig spezialisierte
Kanzlei.
Wir betrachten das Umlegungsverfahren als faktische Enteignung und werden
alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, sollte die Stadt Marburg die eingereichten
Widersprüche ablehnen. Dazu zählt auch eine Klage vor der zuständigen Kammer
für Baulandsachen.
Besonders kritisch sehen wir das Vorgehen der Stadtentwicklungsgesellschaft
(SEG), die weiterhin versucht Grundstücke zu erwerben, während Eigentümer
durch das Damoklesschwert einer möglichen Beteiligung an den
Erschließungskosten unter Druck gesetzt werden. Die Stadt besitzt derzeit bei
Weitem nicht alle für das Bauvorhaben benötigte Flächen, ein Umstand, der die
Notwendigkeit des Umlegungsverfahrens überhaupt erst begründet und zugleich
die Fragwürdigkeit des Projekts unterstreicht.
Auch vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage der Stadt Marburg
halten wir das Bauvorhaben für unverantwortlich. Es fehlt an städtebaulicher
Notwendigkeit (vgl. auch aktuelle Marburger Einwohnerzahlen laut Zensus 2022),
wirtschaftlicher Tragfähigkeit und gesellschaftlicher Akzeptanz. Die BI
WirsindHasenkopf fordert daher den sofortigen Stopp des Umlegungsverfahrens
sowie die Aufgabe jeglicher Bebauungspläne auf dem Hasenkopf, auch mit
wirksamer und langfristiger Unterschutzstellung der nebengelegenen Alten
Weinstraße.
Unser großer Dank geht an alle Bürgerinnen und Bürger, die uns durch ihre
Spenden und ihren Zuspruch bisher bei der Verhinderung der Baupläne am
Hasenkopf unterstützt haben. Alle, die sich am Widerstand gegen das
Umlegungsverfahren und das Bauvorhaben am Hasenkopf finanziell beteiligen
möchten, sind herzlich eingeladen, sich mit einer Spende an den Rechtskosten zu
beteiligen. Weitere Informationen finden Sie unter:
Kontakt:
Bürgerzusammenschluss "WirsindHasenkopf"
E-Mail: [email protected]
Website: https://wirsindhasenkopf.de
Anlässlich der Offenlage des B-Plan-Vorentwurfs in der OBR-Sitzung am 3. April 2025 in der
Wolffschen Stiftung (Ockershausen) bezieht der Bürgerzusammenschluss gegen die
Baupläne auf dem Hasenkopf wie folgt Stellung:
Die Baupläne am Hasenkopf sind in ihrer Gesamtheit abzulehnen und bieten keinerlei
positive Aspekte für unseren Ortsteil. Sie würden Ockershausen infolge des veranschlagten
zusätzlichen, erschreckend hohen Verkehrsaufkommens in unzumutbarer Weise belasten
und unsere Lebensqualität weiter verschlechtern. Für unseren Ortsteil würde die
Realisierung dieses monströsen Vorhabens nur Nachteile bringen.
Die vollständige Pressemitteilung:
aus: Oberhessische Presse, 28.2.25
Das aktuelle Vogelgutachten kann man lesen unter:
www.marburg.de/wohnenimwesten
# Fachgutachten Avifauna
Foto: Stadt Marburg
www.nabu.de:
Das Null-Hektar-Ziel: Es bleibt viel zu tun
Wie sieht nachhaltige Stadtentwicklung aus?
In Deutschland wird zu viel Fläche verbraucht: täglich rund 60 Hektar Landschaft für Gewerbe, Wohnungsbau, Verkehr und Erholungsflächen. Das entspricht etwa einem Einfamilienhaus pro Minute. Dagegen dauert es 2.000 Jahre, bis zehn Zentimeter fruchtbarer Boden entstehen.
Boden und Fläche sind wertvolle und endliche Güter. Deshalb
müssen wir deutlich weniger davon „verbrauchen“, wenn wir nachhaltig handeln wollen. Aus Sicht des Naturschutzes sollten überhaupt keine weiteren Flächen mehr versiegelt werden. Denn oftmals sind
das fruchtbare Böden für die Landwirtschaft oder natürliche Flächen in der Landschaft.
Das Problem des Flächenverbrauchs wird durch den Anstieg der Wohnfläche pro Kopf verschärft. Denn es gibt zunehmend mehr Ein-Personen-Haushalte und auch der individuelle Flächenbedarf steigt
immer weiter. Aber anstatt in dieser Situation bisher unbebaute Baugrundstücke in den Städten für neuen Wohnraum zu nutzen, wird vermehrt auf dem Land gebaut, sogar in Regionen, die wegen der
schrumpfenden Bevölkerungszahlen gar keine neue Wohnfläche bräuchten. Das führt zu einem viel zu großen und keineswegs nachhaltigen Flächenverbrauch.
Nachhaltiges Handeln ist ein wichtiges und drängendes Thema. Gerade der „Flächenverbrauch“ ist ein gutes Beispiel, um zu zeigen, wie Nachhaltigkeit konkret umgesetzt werden kann – und dass es manchmal keine einfache Lösungen und sogar Zielkonflikte gibt.
Städte gut entwickeln – so grün wie möglich, so dicht wie nötig
Durch die Versiegelung von Flächen werden Lebensräume
zerschnitten, der Grundwasserhaushalt ist beeinträchtigt und auch die Luftschadstoff- und CO2-Emissionen steigen, da neue Siedlungen und Verkehrsflächen mehr
Verkehr verursachen. Und in Städten überhitzen Stadtviertel, weil die Verdunstungskälte unversiegelter Flächen fehlt.
Schon seit vielen Jahren beschäftigt sich der NABU mit dem Thema Siedlungsentwicklung. In zahlreichen Projekten versuchen wir, Lösungen und Auswege für die Probleme vor allem der
flächenfressenden Städte zu finden. Neben unserem alternativen Ansatz zur Grundsteuer – hier fordern wir eine reine Bodenwertsteuer – haben wir uns besonders mit der „Doppelten Innenentwicklung“ als
Lösungsansatz für das Problem des Flächenverbrauchs in der Stadt befasst.
Hamburger Grünmodell könnte Lösung für viele Städte sein
Der NABU Landesverband Hamburg hatte nach seiner
Volksinitiative „Hamburgs Grün erhalten“ lange mit dem Hamburger Senat verhandelt und im Mai 2019 ein gutes Modell für den Erhalt der städtischen Natur vorgestellt. Bundesweit schlägt Hamburg
damit als erste Großstadt einen neuen Weg ein, der eine Verbindung zwischen Grünerhalt und Siedlungsentwicklung tatsächlich ermöglicht.
Das sogenannte Hamburger Grünmodell könnte ein Lösungsansatz für zahlreiche Städte in Deutschland sein, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben.
Mehr zum Hamburger Grünmodell
Volksinitiative "Hamburgs Grün erhalten"
Geschafft! Die NABU-Initiative verhandelt erfolgreich mehr Flächenschutz und die Verbesserung der Naturqualität. Der Grünerhalt basiert auf drei Säulen.
Mehr → www.nabu.de/ versiegelung
Mit der Volksinitiative „Hamburgs Grün erhalten“ setzte sich der NABU dafür ein, Stadtentwicklung, Grünerhalt und Grünentwicklung in einer wachsenden Stadt sinnvoll zu verknüpfen. Dazu hat der NABU mit den Regierungsfraktionen der Bürgerschaft 2019 einen „Vertrag für Hamburgs Stadtgrün“ ausgehandelt. Der rot-grüne Senat hat diesen am 22.6.2021 beschlossen und unterzeichnet. Der Vertrag gilt für das gesamte Gebiet der Freien und Hansestadt Hamburg (nicht nur innerhalb Ring 2)...
Dauerhafter Schutz von wertvollen Flächen
Nach zahlreichen Verhandlungen einigten sich Vertreter der
Regierungsfraktionen und des NABU Hamburg auf mehr Grünschutz und einen Rahmen, in dem Siedlungsentwicklung weiter möglich ist.
Für den Naturschutz in Hamburg erreicht der NABU zwei entscheidende Erfolge: den dauerhaften Schutz von wertvollen Flächen und die Verbesserung der Naturqualität.
Konkret erhält der Hamburger Senat durch die Hamburger Bürgerschaft die Zielvorgabe, dass die Gesamtfläche aller Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete (NSGs und LSGs) erhalten bleibt. Darüber
hinaus darf auch der Anteil aller Flächen aus dem Bioptopverbund nicht mehr sinken. Der NABU hat besonders für diese Festschreibung gestritten, da diese Flächen eine bedeutende Funktion für das
Ökosystem haben. Damit sind gut 30 % der Fläche Hamburgs in Zukunft geschützt. Ebenso gibt es die Zusicherung, dass alle Flächen der Kategorie Grün- und Erholungsanlagen vor Bebauung
grundsätzlich geschützt sind und zusätzlich neue öffentlich zugängliche Flächen geschaffen werden. Der verhandelte Flächenschutz ist ein Gewinn für ein grünes Stadtbild – auch in Zukunft.
Bundesweit schlägt Hamburg als erste Großstadt einen richtungsweisenden Weg ein, mit dem eine Verbindung zwischen Grünerhalt und Siedlungsentwicklung tatsächlich möglich ist.
Alexander Porschke (Vorsitzender des NABU Hamburg)
Ein großer Gewinn für Hamburgs Natur ist zudem, dass die
Naturqualität kontinuierlich und im ganzen Stadtgebiet in konkreten Zahlen gezielt verbessert werden soll. Geeinigt wurde sich darauf, dass der Naturwert langfristig in NSGs steigen muss, während
er gleichzeitig im restlichen Stadtgebiet nicht sinken darf. In der Praxis kann dies durch verschiedene Instrumente erreicht werden: die Entwicklung von Naturschutzgebieten, das Anlegen von
Blühwiesen in Parks sowie der Renaturierung von Stadtbächen und die Pflege von naturnahen Wäldern. Positive Effekte können auch durch extensivierte Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen
Flächen erzielt werden.
Alexander Porschke, Vorsitzender des NABU Hamburg, ist zuversichtlich, dass mit der jetzt vorliegenden Einigung die Zukunft für Hamburgs Natur gesichert ist. „Wir haben lange und intensiv
verhandelt und das hat sich auch gelohnt. Bundesweit schlägt Hamburg als erste Großstadt einen richtungsweisenden Weg ein, mit dem eine Verbindung zwischen Grünerhalt und Siedlungsentwicklung
tatsächlich möglich ist. Die Stadtnatur wird ökologisch aufgewertet, Artenvielfalt und Lebensqualität bleiben erhalten. Gleichzeitig haben wir uns auf eine Flexibilität beim Flächenschutz
geeinigt. So bleibt Raum für die Stadt sich zu entwickeln - mit Augenmaß.“
Balance zwischen Siedlungsentwicklung und Naturschutz
Der Kerngedanke der Einigung ist, dass eine langfristige
Siedlungsentwicklung, auch ökologisch vertretbar sein muss. So gibt es künftig eine verbindlich festgelegte Gesamtfläche in Hamburg, die grün bleibt. Alle Naturschutzgebiete sind für jegliche
Eingriffe tabu. Bei Flächen mit dem Schutzstatus Landschaftsschutzgebiet oder Biotopverbund wird im Einzelfall ein neuer Tauschmechanismus zum Tragen kommen. Wird eine dieser Flächen für den
Wohnungsbau, Verkehrsinfrastruktur oder sonstige Bauprojekte in Anspruch genommen, muss diese verbindlich an anderer Stelle innerhalb der Hamburger Landesgrenzen kompensiert werden.
Fazit: Hamburgs Grünanteil bleibt erhalten. Sollten geschützte Grünflächen bebaut werden, galt bislang bestenfalls die gesetzliche Ausgleichregelung nach dem Bundesnaturschutzgesetz. Mit
der jetzigen Vereinbarung muss in Hamburg on Top eine neue, gleichgroße Ersatzfläche ausgewiesen werden.
Aber auch grüne Flächen ohne besonderen rechtlichen Schutzstatus, stehen in Zukunft stärker im Blickfeld. Grünverluste in der Stadt wirken sich messbar auf die Verschlechterung des Naturwertes
aus. Um die Naturqualität im gesamten Stadtgebiet zu erhalten, sind daher zwangsweise Verbesserung des Naturzustands an anderer Stelle erforderlich.
Fazit: Hamburgs Naturqualität bleibt erhalten. Mit dieser Regelung ist Hamburg das erste Bundesland und die erste Großstadt, die sich für einen flächendeckenden Schutz der Natur ausspricht
und sich zu konkreten und messbaren Zielwerten verpflichtet.
Naturschutz wird messbar und verbindlicher
Neu zum Einsatz kommt eine satellitengestützte Datenerhebung zu versiegelten Flächen. Mit dieser Methode lässt sich detailliert der reale Versiegelungsgrad ermitteln. Die Messung der Naturqualität erfolgt über die flächendeckende Biotopkartierung, ab jetzt alle fünf anstatt bisher alle acht Jahre. Zusätzlich wird es einen jährlichen Statusbericht an die Bürgerschaft geben mit Updates über alle 15 Punkte der Vereinbarung. Damit der Grünschutz verbindlich von unterschiedlichen Akteuren in der Stadt umgesetzt wird, soll der Senat in einem nächsten Schritt einen „Vertrag für Hamburgs Stadtgrün“ mit den Bezirksverwaltungen und allen relevanten „städtischen Institutionen“ schließen, die direkten Zugriff auf Flächen haben.
Budget für Hamburgs Natur wird erhöht
Insgesamt stellt die Stadt Hamburg für Naturschutzmaßnahmen ab 2021 jährlich zusätzlich 5,8 Millionen Euro zur Verfügung. Für die kommenden zwei Jahre sind bereits bis zu 5,6 Millionen Euro mehr für Hamburgs Grün eingeplant. Zukünftig wird es auch zehn Vollzeitstellen als Ranger (Naturwarte) geben, die sich intensiv um den Schutz der Naturschutzgebiete und des Biotopverbunds kümmern.