NABU Pressemitteilung 26.5.26

Gemeinsam für mehr Biodiversität:

NABU Marburg und gewobau legen Blühstreifen an

Die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft gewobau Marburg versorgt als größtes kommunales Wohnungsunternehmen die Stadt mit bezahlbarem Wohnraum. Die NABU-Gruppe Marburg hat die gewobau dabei unterstützt, auf einem ihrer Gelände in der Sudetenstraße einen Blühstreifen anzulegen. Verwendet wurde dabei zertifiziertes Saatgut mit einheimischen Pflanzenarten, optimal angepasst an die heimischen Bedingungen. 

Solche Blühstreifen sind ein kleiner, aber wichtiger Beitrag zur Förderung der Biodiversität vor Ort. Einheimische Blühpflanzen sind nicht nur attraktiv anzusehen, sondern bieten auch wertvollen Lebensraum und Nahrung für Insekten wie Wildbienen, Schmetterlinge und Käfer. Davon profitieren wiederum viele weitere Tierarten, die auf diese Insekten angewiesen sind.

 

Das Projekt zeigt beispielhaft, wie der NABU Marburg mit anderen Organisationen zusammenarbeitet: Der Naturschutzbund steht nicht nur beratend zur Seite, sondern unterstützt auch ganz praktisch bei der Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen vor Ort.

 

„Schon bald werden hier wunderschöne Wildblumen blühen, statt eintönigen Rasen. Wir freuen uns, wenn dieses Beispiel viele Nachahmer und Mitmacher findet,“ erklärte Norbert Klein für den NABU und Eberhard Lübbeke ergänzte: „Ziel ist es, weitere Grünflächen in Biotopflächen umzuwandeln, entsprechend zu pflegen und nach Möglichkeit die Anwohner mit einzubeziehen.“ 

 

Wer vom NABU beim Anlegen von Blühstreifen Unterstützung möchte, kann sich gerne per E-Mail an die Naturschutzgruppe wenden: [email protected]

Unter fachlicher Anleitung haben NABU Altive in der Sudetenstraße                                                                                einen neuen Blühstreifen angelegt


Die Blumenwiese

Wiesen sind ein Lebensraum, der seit Jahrtausenden von Menschen geschaffen und erhalten wird. Nur sehr wenige Wiesen sind natürlich entstanden, meist auf Standorten, an denen weder Bäume noch Sträucher überleben können. Daher sind fast alle Wiesen und damit auch die Pflanzen und Tiere, die dort leben, auf die Pflege und Nutzung durch den Menschen angewiesen. Wiesen werden zur Erzeugung von Heu oder Silage gemäht, Anzahl und Zeitpunkte der Mahdt begünstigen unterschiedliche Pflanzenarten.

 

Darin unterscheiden sie sich von den Weiden. Denn Weiden werden über längere Zeiträume durch Tiere wie Rinder, Schafe und Pferde abgegrast, wodurch nur daran angepasste Pflanzenarten überleben können. In der Regel sind dies Gräser sowie schnellwachsende oder ungenießbare Kräuter. Wiese und Weide werden zusammengefasst als Grünland bezeichnet.

 

Wenn wir Wiesen pflegen oder neu anlegen wollen, müssen wir daher wissen, welche Typen von Wiesen es gibt und welchen Einfluss der Standort, also die Lage, der Boden und das Regionalklima auf sie haben. Denn jede Form von Wiese besitzt ihre eigene Artenzusammensetzung. Wollen wir zum Beispiel eine Blumenwiese in unserem Garten oder einer anderen Fläche anlegen, können wir nur mit Arten langfristig Erfolg haben, die standortgerecht sind.

 

So enthalten Saatmischungen häufig dutzende Blumenarten, von denen viele aber auf der jeweiligen Fläche nicht so gut klarkommen wie andere. Nach einigen Jahren werden diese also verdrängt, weshalb zumeist nur ein kleiner Teil der gesähten Blumen überleben. Um derartige Enttäuschungen zu vermeiden, möchten wir hier die wichtigsten Wiesentypen und ihre Charakteristika vorstellen.

 

Noch bis Mitte des 20. Jahhunderts wurden viele Wiesen im Vergleich zu heute eher extensiv genutzt. Es wurde selten mehr als zweimal im Jahr gemäht, Überdungung war aufgrund der an die Flächengröße angepassten Viehbestände kaum ein Problem. Äcker wurden zwar schon lange maschinell bearbeitet, doch waren sie kleinteiliger und mit verschiedenen Früchten bestellt, und breite Feldreine an Wegrändern waren keine Seltenheit. Somit konnten auch Blumen auf den Wiesen und Feldern gedeihen, Insekten hatten genug Zeit für ihre Entwicklung, und die unterschiedliche Nutzung von Weiden, Heu- und Streuwiesen bot verschiedensten Arten Lebensräume. Erst die Intensivierung seit den 1950er-Jahren sorgt für den massiven Artenverlust.


 

aus: Oberhessische Presse vom 28.11.2024, Seite 3