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Hingugger des Monats: Kiebitz

Foto: NABU

  

Noch in den 1980er Jahren war der Kiebitz im Marburger Umland ein häufig zu beobachtender Vogel. Insbesondere, wenn die männlichen Kiebitze im Frühjahr ihre atemberaubenden Balzflüge (das „Wuchteln“ oder „Gaukeln“) zeigten, zogen sie die Aufmerksamkeit von Spaziergängern, aber auch Rad- und Autofahrern auf sich.

   

Als Bodenbrüter, der auf Feuchtflächen angewiesen ist, machten ihm die Trockenlegung von Feuchtflächen, die Bodenversiegelung und die intensive Landwirtschaft Probleme, nicht nur bei uns, sondern weltweit. Der Bestand nahm im gesamten Verbreitungsgebiet, das sich über Eurasien in seiner Ost–West- Ausdehnung erstreckt, so dramatisch ab, dass er seit 2015 auf der internationalen Roten Liste gefährdeter Vogelarten steht.

 

In Deutschland wurden früher seine Eier gesammelt und als Delikatesse gehandelt, das ist natürlich inzwischen verboten.

 

Kiebitze ernähren sich überwiegend von Insekten und Würmern, lediglich in geringfügiger Menge als „Beikost“ von Samenkörnern. Sie leben in einem festen Partnerverbund, meist monogam, es gibt aber auch Männchen die ein bis mehrere Weibchen haben. Sie brüten gerne in lockeren Verbänden, was auch den Vorteil hat, dass sie bei Abwehr von Fressfeinden gemeinsam agieren und es Raubvögeln, Füchsen und Mardern so erschweren, sie oder ihre Brut zu erbeuten. Die Männchen richten in ihrem Revier mehrere Nestplätze her, indem sie Bodenmulden schaffen. Die Weibchen inspizieren die Nester genau und legen dann in das ihr zusagende meist vier, selten weniger Eier. Nach 21 bis 28 Tagen schlüpfen die Jungvögel, die nach wenigen Stunden schon auf ihren eigenen Füßen stehen und die Umgebung des Nestes erkunden, sie sind also Nestflüchter.

 

Obwohl Kiebitze Zugvögel sind, kann man sie im Landkreis das ganze Jahr über beobachten, im Winter sogar in größerer Anzahl, weil die Kiebitze aus den nördlichen Regionen Europas hier überwintern. Die meisten Kiebitze ziehen nach Südeuropa, und auch Nordafrika und die Küstengebiete der arabischen Halbinsel werden im Winter aufgesucht.

 

Regelmäßig beobachten kann man Kiebitze im Amöneburger Becken, u. a. bei den Baggerseen in Niederwald, aber auch im Lahntal, z. B. am Martinsweiher in Niederwalgern, kann man sie antreffen. Wenn auch der Bestand im Vergleich zur Mitte des letzten Jahrhunderts deutlich verringert ist, hat er sich auf niedrigerem Niveau erfreulich stabilisiert, was auch gezielten Schutzmaßnahmen zu verdanken ist. Es bleibt zu hoffen, dass dieser interessante und hübsche Vogel als fester Bestandteil unserer heimischen Vogelfauna langfristig erhalten bleibt. 

Text: Reinhard Naumann